Polizeihandschellen lassen sich mit im Internet erhältlichen Generalschlüsseln öffnen. Ein Fluchtfall in Mittelfranken entfacht die Debatte über Sicherheitsrisiken. Unsere bayerische Staatsregierung sieht dennoch kein erhöhtes Risiko:
»Handschellen sollen verhindern, dass Festgenommene fliehen. Doch Ende 2025 gelang genau das einem Verdächtigen in Mittelfranken. Der Fall hat ein bundesweites Sicherheitsproblem sichtbar gemacht: Die Generalschlüssel für Polizeihandschellen gibt’s für ein paar Euro im Internet.
Besonders brisant: Die Bayerische Polizei wusste bei dem Vorfall schon von dem Problem, wie die Staatsregierung in einer Anfrage des Landtagsabgeordneten Florian Siekmann (Grüne) einräumte. Nach Angaben des Innenministeriums wurden schon Wochen vorher Warnhinweise im polizeiinternen Informationsnetz veröffentlicht.
Trotz des Vorfalls sieht die Staatsregierung kein „signifikant erhöhtes Sicherheitsrisiko“. Schließlich würden alle Festgenommenen vorher gründlich durchsucht und die Beamten regelmäßig geschult. Gleichzeitig kann das Innenministerium allerdings nicht sagen, wie viele Menschen sich bereits aus polizeilichen Handfesseln befreit haben.
An den verwendeten Handschellen will das Haus von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) weiter festhalten. So könne jede Polizistin und jeder Polizist die Fesseln im Notfall sofort öffnen. Außerdem lasse sich auch bei einem Wechsel des Modells nicht ausschließen, dass Schlüssel kopiert und verkauft werden.
Der Hersteller der Handschellen geht nach Angaben des Innenministeriums inzwischen juristisch gegen den Verkauf kopierter Schlüssel vor. Für Siekmann ist das zu wenig: „Die freie Verfügbarkeit des Generalschlüssels für die Handschellen der Polizei muss schnellstens unterbunden werden“, sagt er der Staatszeitung. Beamtinnen und Beamte müssten zudem besser über die neuen Risiken informiert werden.«
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